«Ich weiss, der Kanton muss sparen. Aber diese Sparmassnahmen bringen grosse Probleme mit sich. Für uns Betroffene ist das eine Katastrophe.» Herr Daniel Schwab hat Multiple Sklerose. Die ersten Symptome zeigten sich bereits 1975. Heute ist Daniel Schwab an den Rollstuhl gefesselt: «Ohne die Spitex wüsste ich nicht, was ich machen sollte. Am Morgen kann ich ohne fremde Hilfe nicht mehr aufstehen. Und am Abend kann ich auch nicht vollkommen selbstständig ins Bett gehen. Die Politiker können sich nicht vorstellen, was das im Einzelnen bedeutet. Das macht mich wütend und traurig zugleich. Wenn ich in ein Heim müsste, wäre das für mich das Schlimmste. Schon, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass meine ebenfalls an Multipler Sklerose erkrankte Freundin und ich in einem Heim zusammenbleiben können.»
«Die Sparmassnahmen sind einfach nicht richtig», sagt Vreni Zitterli. «Das kommt den Kanton doch viel teurer, als wenn ich daheim bleiben darf.» Die Wände ihres kleinen Wohnzimmers sind voll mit Erinnerungen und Fotos. Ihr Sessel ist auf die Haustür ausgerichtet. Vor ihr steht der Rollator. 2006 hatte Vreni Zitterli einen Schlaganfall. Seitdem ist sie halbseitig gelähmt und auf die öffentliche Spitex angewiesen. Über ihre Situation beklagt sie sich nicht. Sie ist froh, wenn sie niemandem zur Last fällt. Nicht ihren Kindern und Enkeln, die sich liebevoll um sie kümmern, nicht den Nachbarn – und schon gar nicht dem Steuerzahler. Was sie sich von den Politikern wünscht? «Dass sie mehr Verständnis für finanziell schlechter gestellte Leute haben. Und für die Arbeit der Spitex, die für diese Menschen da ist.»
«Meine Mutter hat Krebs. Ihr Magen und ihr Darm arbeiten nicht mehr. Ausser einer dünnen Suppe kann sie nichts mehr zu sich nehmen. Deshalb erhält sie palliative Pflege. Im Moment geniesst sie das Leben noch sehr. Dazu trägt die Qualität der Pflege wesentlich bei. Der Lebenspartner meiner Mutter unterstützt das Spitex-Team als ˂pflegender Angehöriger˃ täglich bis zu 5 Stunden. Solche Dinge sehen die Politiker nicht. Was die Betreuer der Spitex für die Allgemeinheit leisten. Und auch, wie viele Stunden die pflegenden Angehörigen mit ihrer Arbeit unentgeltlich zur Verbesserung der Situation beitragen. Das spart auch Kosten. Zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld bleiben zu können, bedeutet meiner Mutter viel. Dort kann sie lesen, was sie will, und kann auch mal Freunde empfangen. Wenn die Spitex nicht da mehr wäre, müsste sie ins Krankenhaus. Das wäre eine Katastrophe – für meine Mutter und für uns.»